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Wie kleine Betriebe im Handwerk die Digitalisierung für sich nutzen können

“Hast du schon von Firma Meier* gehört? Die haben jetzt Millionen investiert und SAP eingeführt!”. “Meine Softwareagentur kostet über 1000€ am Tag!”.

Bei solchen Aussagen kann man als kleiner oder mittelständischer Handwerksbetrieb schon denken, dass Digitalisierung nur etwas für die ganz Großen ist und hohes Investitionsrisiko mit sich bringt. Aber jüngste Entwicklungen geben allen Grund zum Anlass optimistisch zu sein, denn es zeichnet sich ein neuer Trend in der Softwareentwicklung für das Handwerk ab: Neue IT-Firmen sind in den letzten Jahren entstanden, die mit niedrigen Kosten und einem übersichtlichen Design den einfachen Einstieg in die digitale Welt ermöglichen.

Hier sollte aber auch darauf geschaut werden, was Sinn macht und was nicht. Eingespielte analoge Prozesse können sehr gut funktionieren und daher lohnt es sich genau zu schauen, wo man mit der Digitalisierung anfängt. Aber eins ist sicher: Der Veränderungsdruck wird zunehmen in den kommenden Jahren und wenn solch eine neueingeführte Software gut gemacht ist, will sie niemand mehr missen, sowie auch keiner mehr von der Bohrmaschine zum Handbohrer zurückwechseln will und kann.

Ein Trend der sich in den letzten Jahren abzeichnet, ist die Möglichkeit Software unterschiedlichster Firmen durch Schnittstellen zu verknüpfen. Das bedeutet konkret, dass man zum Beispiel eine spezialisierte Software für die Auftragserfassung und Baudokumentation benutzen kann, die die Daten dann an eine andere Software für die Rechnungserstellung weitergibt.

Der Vorteil bedeutet geringe Kosten für den Betrieb, da diese Software einzeln standardisiert zu Monatspreisen verkauft wird und trotzdem eine hohe Individualisierbarkeit, da man aus den einzelnen Produkten sich die beste Nischenlösungen für den eigenen Betrieb heraussuchen kann.

Somit kommt ein weiterer Vorteil dieser modularen Herangehensweise zum Tragen: Es ermöglicht einen leichten Einstieg in die digitale Welt. Das bedeutet, dass man sich erst ein digitales Werkzeug (nichts anderes sollte Software sein) heraussuchen und mit diesem einen Teil seines Betriebes umstellen kann. So erfolgt der digitale Umstieg schrittweise und kann behutsam gestaltet werden kann. Im Idealfall kann das alte System ohne viel Aufwand parallel gefahren werden.

Ein Beispiel: Ein sechs Mann starker Tischlereibetrieb möchte digital nicht abgehängt werden, aber weiß, dass bei einigen Kollegen die Einführung einer Software auf wenig Gegenliebe stößt. Des Weiteren hat der Betrieb durch eine hervorragende Auftragslage keine Zeit für eine aufwändige Umstellung. Um den Einstieg zu wagen entscheidet man sich daher für ein modernes digitales Auftragsmanagement einzuführen. Die Bezahlung erfolgt monatlich und befindet sich meistens unter 10 € pro Benutzer. Der eigentliche Clou ist, dass der eine Teil der Kollegen sich die Infos über das Smartphone abrufen können und auch gleichzeitig eine einfache und saubere Baudokumentation vor Ort möglich ist. Für den digital skeptischen Teil der Belegschaft können wie gewohnt Ausdrucke aus dem System angefertigt werden. Und so kann einfach kann es in der Tat ablaufen.

Schlussendlich muss jeder Betrieb selbst entscheiden, wie und wann das große Thema Digitalisierung angegangen wird. Und in absehbarer Zeit wird sich auch der eigentlichen Arbeit nichts ändern. Handwerk bleibt Handwerk. Aber vieles, um die eigentliche Arbeit, beginnend mit einer sauberen Baudokumentation oder die Bereitstellung von Infos auf dem Smartphone wird sich in nicht allzu ferner Zukunft stark ändern.

Philipp Linstedt

Mitgründer der Craftboxx (Die App für Baudokumentation)

*Name geändert


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